Politik

"Politische Börsen haben kurze Beine". Dieser Ausspruch wird von erfahrenen Handelsteilnehmern gerne genutzt um zu verdeutlichen, dass politische Aktivitäten gleich welcher Natur sich zwar auf den Kursverlauf des Aktienmarktes auswirken können, dies aber aller Erfahrung nach nur für einen kurzen Zeitraum tun.
Es spielt dabei keine Rolle, ob die Politik ihren Einfluss durch Konjunkturprogramme oder durch etwaige Konflikte mit anderen Staaten ausübt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass politische Maßnahmen nur kurzfristig dazu in der Lage sind, das Geschehen auf dem Börsenparkett negativ zu beeinflussen.

Die Politik ist freilich nicht vollkommen bedeutungslos für die Entwicklung der Kapitalmärkte. Durch die Gestaltung der volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen können Regierungen langfristig Einfluss auf das Wirtschaftswachstum und damit die Unternehmensgewinne ausüben.
Die Zusammenhänge gelten jedoch mit deutlicher zeitlicher Verzögerung und sind nur unscharf erkennbar. Die Senkung der Abgabenlast für Verbraucher beispielsweise schlägt sich erfahrungsgemäß erst Jahre später in den Bilanzen der Unternehmen wider.

Heikle Situationen treten an der Börse stets dann auf, wenn eine kriegerische Auseinandersetzung zweier Staaten unmittelbar bevorsteht. Die Aktienkurse neigen in derartige Phasen zu heftigen Schwankungen, da die Unsicherheit der Marktteilnehmer in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung signifikant ansteigt.
Die beiden zurückliegenden Irak-Kriege beispielsweise waren gekennzeichnet von einer hohen Volatilität über mehrere Wochen im Vorfeld des Beginns der Kampfhandlungen. Charakteristisch war in beiden Situationen, dass die Kurse fielen, bis der Krieg tatsächlich ausgebrochen war und im Anschluss daran sofort deutlich anzogen.

In diesem Zusammenhang kann ein anderes unter erfahrenen Börsianern gerne angewandtes Sprichwort Platz finden: "Kaufen, wenn die Kanonen donnern".