Wegweiser im Zertifikatedschungel

Anleger, die sich für ein bestimmtes Zertifikat interessieren und aus diesem Grund weitergehende Informationen einholen möchten, sind gut beraten, den Emissionsprospekt aufmerksam und im Detail zu studieren. Er gibt gemäß den gesetzlichen Bestimmungen Aufschluss über die Zusammensetzung des Produktes, seine Risiken und die Vorgehensweise des Managements. Darüber hinaus erteilt der Prospekt Auskunft über die detaillierten Rückzahlungsmodi.

Grundsätzlich sind die meisten Zertifikate im Hinblick auf ihre Funktionsweise einfach zu verstehen. Anleger sollten sich allerdings stets bewusst sein, dass es bei der Kapitalanlage keinen „free lunch“ gibt und dass jede Produktspezifikation, die Vorteile gewährt, durch den Verzicht auf andere geldwerte Elemente erkauft werden muss. Bonuszertifikate beispielsweise generieren die Bonuszahlungen aus den Dividenden des Basiswertes, die Anlegern bei einem Direktinvestment in diesen unmittelbar zufließen würden. Discountprodukte finanzieren den Abschlag, mit dem der Inhaber in den Markt einsteigt, durch den Verkauf von Optionsrechten, die bei Ausübung durch den Inhaber zu einem Nachteil führen.

Die Marktsituation, in der ein strukturiertes Produkt begeben wird, ist ganz wesentlich von Bedeutung für die Konditionen, die Anleger erhalten. In volatilen Marktphasen sind Discountprodukte und Reverse-Bonus-Strukturen günstig, während in ruhigeren Zeiten Garantiezertifikate und herkömmliche Bonuspapiere bessere Konditionen bieten. Weiterhin sind der Marktzins und die Dividendenrendite des Marktes von signifikanter Bedeutung.
Anleger sind gut beraten, Zertifikate als gewöhnliches Finanzprodukt zu betrachten und einen entsprechenden Vergleich der Konditionen der verschiedenen Emittenten durchzuführen. Insbesondere bei Zertifikaten, die sich auf einen prominenten Basiswert, wie beispielsweise den Dax oder den Dow Jones, beziehen, stehen in der Regel ausreichend Alternativen zur Verfügung.